Die Lichtnahrung, der Tod und das Hexenfeuer

Es ist ein tragischer Fakt, dass immer wieder Menschen bei Selbstversuchen im Zusammenhang mit dem sogenannten Lichtnahrungsprozess und anderen extremen Fastenexperimenten ums Leben kommen. Kürzlich hat das NDR-Magazin „Panorama – die Reporter“ über den Fall des 22-jährigen Hamburgers Finn Bogumil berichtet, der unter einer Drogenpsychose litt und laut dem Bericht an den Folgen eines extremen Lichtnahrungs-Experiments gestorben war. (Das Ergebnis der Autopsie und die genaue Todesursache wurden laut NDR nie veröffentlicht.)

Dass die NDR-Panorama-Journalisten diesen furchtbar traurigen Todesfall dazu benutzen um spekulative Stimmungsmache  zu betreiben und auch „Am Anfang war das Licht“ zu diskreditieren, ist für die Aufklärung der Sachlage leider nicht hilfreich.

Positiv an der Berichterstattung ist, dass die Geschichte wieder einmal das Bewusstsein für die unnötigen Gefahren von Lichtnahrungs-Selbstversuchen schärft.

Vermutlich hat im deutschsprachigen Raum niemand öfter und eindringlicher vor diesen Gefahren gewarnt als ich – einfach, weil ich mich schon so lange mit der Thematik beschäftige.


Eine der warnenden Sequenzen aus „Am Anfang war das Licht“, die sich den Todesfällen im Zusammenhang mit dem sogenannten Lichtnahrungsprozess widmet.


Um das Phänomen Lichtnahrung zu erleben, braucht es keine extremen Selbstversuche und auch keinen Lichtnahrungsprozess.

Wir alle erleben Lichtnahrung (eine saloppe Formulierung für non-kalorische Energieaufnahme – mehr dazu in „Wie funktioniert Lichtnahrung?“ bzw. im Artikel „Can Humans Photosynthesize?“) die ganze Zeit; die einen mehr, die anderen weniger (siehe auch „Qi – Warum wir alle vom `Licht leben`“) .

Die Protagonisten in „Am Anfang war das Licht“ jedenfalls, die Lichtnahrung vielleicht in ihrer extremsten Form erleben, wie Prahlad Jani oder Zinaida Baranova, haben nie etwas von einem Lichtnahrungsprozess oder ähnlichen Ritualen gehört. Es ist ihnen gleichsam „passiert“.

Und hier verbirgt sich eine wichtige Botschaft an alle Menschen, die den Lichtnahrungsprozess, oft auf der Suche nach Selbstbestätigung und / oder aus „spirituellem Ehrgeiz“, durchführen. Reine Lichtnahrung, wenn es sie in purer Form tatsächlich geben sollte, lässt sich ganz sicher nicht durch ein Ritual erzwingen oder „erlernen“.

Wenn der Körper Hunger hat, wenn er beständig an Gewicht und Kraft verliert, dann braucht er physische Nahrung.

Es ist die einfachste Sache der Welt und wer diese Grenzen nicht anerkennt und sie gleichsam gewaltsam sprengen will, muss mitunter einen sehr hohen Preis dafür bezahlen.

„Wenn du den BiGu-Zustand (wörtlich „ohne Brot“ – die chinesische Bezeichnung Lichtnahrung) erzwingen willst, indem du absichtlich nichts isst, weil du gehört hast, dass sich BiGu positiv auswirkt, dann kann das dem Körper extrem schaden“, sagt der taoistische Meister Yuan Limin in „Am Anfang war das Licht“.


Kung Fu master Yuan Limin„Wenn du den BiGu-Zustand (Chinesisch für Lichtnahrung) erzwingen willst, indem du absichtlich nichts isst, weil du gehört hast, dass sich BiGu positiv auswirkt, dann kann das dem Körper extrem schaden“Yuan Limin


Unser Film ist voll mit warnenden Worten.

„Am Anfang war das Licht“ enthält 23 explizite und implizite Warnungen vor dem sogenannten Lichtnahrungsprozess und anderen extremen Fastenexperimenten – ausgesprochen von 17 unterschiedlichen Protagonisten, Ärzten und Wissenschaftlern sowie auch Experten, die eine hohe Glaubwürdigkeit in der spirituellen Szene genießen, wie z. B. der Fastenarzt Ruediger Dahlke.

Unser Film zeigt darüber hinaus ein gescheitertes Lichtnahrungs-Experiment und erzählt die Geschichten aller Todesfälle im Zusammenhang mit dem sogenannten Lichtnahrungsprozess, die zum Zeitpunkt der Filmveröffentlichung weltweit bekannt waren.

Ohne Zweifel ist sich jeder Zuschauer der Lebensgefahr eines solchen extremen Selbstversuches bewusst, nachdem er „Am Anfang war das Licht“ gesehen hat.

Wenn der verstorbene Finn Bogumil „Am Anfang war das Licht“ tatsächlich gesehen hat, dann hat er diesen Selbstversuch nicht wegen, sondern trotz der Warnungen im Film gemacht. Sein Drogenkonsum und deren Folgen dürften nicht unbeteiligt gewesen sein, dass Finn seine Grenzen nicht erkannt und respektiert hat.

Wörtlich schreibt sein Vater:„Mein Sohn hatte nach dem Konsum von Drogen wie Cannabis und Ayahuasca Psychosen, von denen er sich nicht mehr erholt hat. Er war danach auf der Suche nach spiritueller Unterstützung und fing an, sich für Lichtnahrung zu interessieren.“

Im Internet gibt es hunderttausende Artikel zum Thema Lichtnahrung und viele Bücher und Onlinevideos, die im Gegensatz zu „Am Anfang war das Licht“ klare Anleitungen und Empfehlungen für Lichtnahrungs-Selbstversuche geben, während unser Film unzweifelhaft davor warnt.

Niemand weiß, welche Filme, Artikel und Bücher, außer „Am Anfang war das Licht“, sich der junge Mann im Zuge seiner Psychose noch angeschaut hat, bis er seinen folgenschweren Entschluss fasste. Es ist schlichtweg unmöglich zu beurteilen, wie wesentlich oder unwesentlich ein bestimmter Film oder Artikel daran beteiligt war.

Bei aller Tragik dieses Falles muss darüber hinaus festgehalten werden, dass im Zustand einer Psychose jeder beliebige Reiz der „Auslöser“ für eine Wahnsinnstat sein kann.

Der genaue Hergang von Finns Tod bzw. seine letzen Tage sind noch immer nicht genau geklärt da auch das Ergebnis der Autopsie nie veröffentlicht worden ist. Wurden bei der Obduktion Drogen oder andere aufschlussfördernde Rückstände im Blut gefunden? War er verletzt ? War er dehydriert?  Die Reporter erwähnen, dass Ihnen der Obduktionsbericht nie gezeigt wurde. Obwohl also nicht einmal die genaue Todesursache vorliegt  konstruieren die Reporter einen fiktiv-kausalen Zusammenhang zwischen dem Tod von Finn Bogumil und „Am Anfang war das Licht“ – weil er den Film einmal in einem Brief an seine Eltern erwähnt hat.

Auf der Suche nach Schuldigen  bei mittelalterlichen Hexenprozessen waren die Anklagekriterien vermutlich ähnlich stichhaltig wie bei diesem stimmig gemachten – und leider auch ignorant-spekulativen „TV-Tribunal“.

Die Geschichte eines psychotischen jungen Mannes zu erzählen, der auf tragische und seltsame Weise zu Tode kommt, war den Reportern offensichtlich zu wenig. Sie zaubern gemeinsam mit dem Vater einen Schuldigen aus dem Hut: „Der Film“.

Dass die Familie von Finn Bogumil eine Projektionsfläche für ihre Trauer und ihre Wut über diesen unverständlichen Verlust sucht ist menschlich verständlich.

Ihr Leid ist unsagbar und sie wollen den Jungen „versuchen festzuhalten“, wie es der Vater in einer berührenden Szene ausdrückt. Für diesen Mann kann ich in seinem Schmerz  Verständnis aufbringen. Von unbeteiligten Journalisten erwarte ich mir eine differenziertere Betrachtungsweise.

2012 hat ein Schweizer Journalist im Tagesanzeiger schon einmal eine ähnliche konstruierte Behauptung aufgestellt.

Ich habe damals spät aber doch eine Gegendarstellung gefordert, da der zuständige Staatsanwalt klar festgestellt hat, dass zwischen „Am Anfang war das Licht“ und tödlichen Lichtnahrungsexperimenten ein kausaler Zusammenhang mit Sicherheit ausgeschlossen(!) werden kann.

Die entsprechende Stellungnahme wurde dann zwar im Tagesanzeiger veröffentlicht, hunderte Medien auf der ganzen Welt hatten mittlerweile die Geschichte aber schon zitiert – und so verbreitet sich ein falsches Gerücht und wird zum „Faktum“. Beim NDR-Bericht läuft es leider wieder ähnlich.

Warum machen Journalisten so etwas? Zum einen ist eine Headline im Stil von „Film verführt Menschen zum Lichtnahrungstod“ natürlich knackiger und zugkräftiger als die traurige und banale Wahrheit – ein Mix aus unglücklichen Umständen, Drogen und psychischer Krankheit.

Wenn wir diese Form von Argumentation allgemein anwenden würden, dann könnten wir Formel-1-Rennen für Unfälle durch überhöhte Geschwindigkeit verantwortlich machen und Red Bull TV sollten wir komplett verbieten angesichts der Todesrate bei  Extremsportarten.

Warum kommt dann jemand auf die Idee die persönliche Verantwortung im Zusammenhang mit extremen Fastenexperimenten aufzuheben und ausgerechnet einem sehr differenzierten Film wie „Am Anfang war das Licht“ zuzuweisen.

Bei der Behauptung, dass „Am Anfang war das Licht“ eine Mitverantwortung bei Lichtnahrungsexperimenten tragen würde, geht es den Kritikern bewusst oder unbewusst darum die philosophischen Fragen des Filmes anzugreifen, die das materialistischszientistische Weltbild vieler Menschen erschüttern. Das Hinterfragen dieses Weltbildes ist das Ziel von „Am Anfang war das Licht“. Bewegung in eine verkrustete Ideologie zu bringen.

Der oben erwähnte Schweizer Journalist war ein einschlägig bekannter „Esoterikjäger“ aus dem Netzwerk der szientistisch geprägten Skeptikerorganisation GWUP. Und wenn man weiß, dass zumindest einer der beiden verantwortlichen NDR-Reporter ebenfalls aus dem Dunstkreis der GWUP kommt, sogar ausgezeichnet mit einem GWUP Medienpreis, wird klar woher der Wind weht.  Die GWUP, pointiert formuliert eine szientistische Glaubensvereinigung, hat mir schon 2011 das Goldene Brett, den Preis für den „herausragendsten Unsinn“ des Jahres verliehen, um mich und „Am Anfang war das Licht“ zu diskreditieren.


Meine Dankesrede bei der Verleihung des Skeptikerpreises „Das Goldene Brett“ für „Am Anfang war das Licht“


Auch wenn es sicher anders beabsichtigt war, sehe ich diesen Preis tatsächlich als Auszeichnung, denn er zeigt, dass ich das Glaubensbild der „Skeptiker“ sehr effektiv hinterfrage.

Hiermit meine ich nicht ihre Skepsis, die lobenswert und wichtig ist und ich stimme mit ihrer Vorgangsweise gegen Scharlatanerie völlig überein. Der Besitz eines Hammers macht allerdings nicht alles zum Nagel und nur weil es für manche Phänomene keine gesicherte wissenschaftliche Evidenz oder gar Erklärung gibt sind sie nicht automatisch Täuschung oder Betrug.

„Absence of evidence ist not evidence of absence“ – heisst im Englischen so schön – die Nicht-Existenz von Beweisen ist nicht der Beweis für die Nicht-Existenz. Das sehen manche „Skeptiker“ anders und so werden sie zu „Negativ Gläubigen“. Die GWUP ist im Selbstbild eine rein wissenschaftlich-skeptische Organisation. Vielen Mitgliedern und Brüdern im Geiste, die ihre Weltsicht fast schon missionarisch verbreiten, fehlt es leider am skeptischen Blick auf die eigene Ideologie und den Schaden, den sie oft damit verursachen . 

Darüber könnte ich viel schreiben – hier nur so viel:

„Am Anfang war das Licht“ hinterfrägt dieses Glaubensmodell, dass sich die Realität ausschließlich mit wissenschaftlichen Methoden ergründen und erklären lässt.

Wie weit diese Sichtweise von der Wirklichkeit entfernt ist, habe ich ansatzweise in meinem Artikel über die Grenzen der Wissenschaft versucht auszudrücken. Hier braucht es einfach eine differenziertere Sichtweise um die Skepsis nicht ihre Schattenseite, die Engstirnigkeit, zu verwandeln

Es ist kein Wunder, dass mein Film ein rotes Tuch für viele Anhänger dieses  materialistisch-positivistischen bzw. szientistischen Weltbildes ist.

Sie halten ihren Glauben an den absoluten Erkenntnisgewinn durch die bestehenden wissenschaftlichen Methoden für eine nicht hinterfragbare Wahrheit.

Phänomene und Erfahrungen, die sich mit den Methoden der Wissenschaft nicht messen und mit den anerkannten Theorien nicht erklären lassen, werden pauschal als irrelevant und nicht existent abgeurteilt.

In „Am Anfang war das Licht“ geht es tatsächlich vor allem darum, dieses Dogma zu hinterfragen, denn wir dürfen und wir sollen uns bewusst sein wie begrenzt die Möglichkeiten der wissenschaftlichen Erkenntnis sind.

Weil es heutzutage die freie Meinungsäußerung gibt und es eigentlich begrüßt werden sollte, Dogmen zu hinterfragen, braucht es einen anderen Grund um „Am Anfang war das Licht“ zu diskreditieren und nach Möglichkeit zu verbieten.

Welchen besseren Grund könnte es geben um diese ketzerische Gegenstimme zum Schweigen zu bringen als zu implizieren, dass dieser Film Menschenleben kostete.

Tatsächlich habe ich nicht nur einmal gehört, dass „Am Anfang war das Licht“ endlich verboten werden sollte. Natürlich nicht weil er für Menschenleben gefährlich wäre, sondern weil er für ein bestimmtes dogmatisches Denkmodell gefährlich ist, das von seinen Anhängern als absolute Wahrheit empfunden wird. Und wir wissen was mit Ketzern passiert, die die „Wahrheit“ hinterfragen. 

Glücklicherweise landen Ketzer heute nur mehr auf dem digitalen Scheiterhaufen der Medien und sozialen Netzwerke, wo mit umso größerer Begeisterung und Empörung „geflamed“ wird.

„Am Anfang war das Licht“ hat mir diesbezüglich zu vielen wertvollen Erfahrungen verholfen.

Jeder soll und darf glauben, woran er will. Wichtig ist, dass dieser Glaube auch als Glaube wahrgenommen wird, auch wenn es ein materialistischer, positivistischer und szientistischer Glaube ist, der sich unter dem Deckmantel der Wissenschaft verbirgt.

Die Wissenschaft ist nur eine Methode, der wir viele Segnungen des Alltags verdanken. Ihr Erkenntnishorizont ist allerdings sehr begrenzt und es ist wichtig darauf aufmerksam zu machen.

Hier gibt es viel Potential für die sogenannten „Skeptiker“, die sich ihre Skepsis nicht nur bewahren, sondern sogar massiv ausdehnen sollten und zwar auch auf das eigene Weltbild und die eigenen Methoden im Umgang mit Menschen, Ansichten und Phänomenen, die ihrer „Wahrheit“ widersprechen.

Auf einer Wellenlänge sind wir schon jetzt, wenn es darum geht, Bewusstsein für die Gefahren von Lichtnahrungsexperimenten zu schaffen – und bei Scharlatanerie und Missbrauch in der Esoterik-Szene sowieso.

Da ziehen wir an einem Strang, so wie in vielen anderen Belangen, die den „Skeptikern“ vermutlich gar nicht bewusst sind.

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